Malatang - Probier it yourself
- Alex

- 21. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Lang habe ich auf mich warten lassen. Nachdem sich mein Alltag zum Jahreswechsel 2023 auf 2024 wieder von zwar jeden Tag aufstehen, aber ohne den nervigen Teil Arbeit, hin zu jeden Tag aufstehen, plus den nervigen Teil Arbeit verändert hat, musste ich mich erstmal wieder selbst finden. Das erzählt einem übrigens keiner der reist und sich selbst findet. Wenn man wieder daheim ist, muss man zwischen seine Freunden, denen ab dem dritten Januar herzlich egal ist, dass man ja letztes Jahr in Usbekistan einen Chilen getroffen hat, der uns dann seine selbstgeknüpften Schnürsenkel geschenkt hat, erstmal wieder sich selbst finden. Also es dauert bis man wieder diese Person ist, die sich über zu viel Arbeit, teure Butter (puhh) und Paketzusteller, die nicht in den 7ten Stock laufen wollen, aufregt.
Naja, nachdem ich jetzt 2 Jahre von ganz vielen Menschen herzlichen und umfangreichen Zuspruch wie "Wo Foodblog?" bekommen haben, versuch ichs mal wieder.
Geht garnicht so leicht von der Hand, aber alternativ müsste ich ja langsam wirklich anfangen Mundharmonika zu lernen. Das muss jetzt warten.
Im Gegensatz zu meinen vorherigen Ergötzungen, wagen wir mal was Neues. Anstatt CO2 in die Atmosphere zu blasen, um an entlegenen Orten zu essen, was es da halt so gibt, schwingen wir uns aufs Rad und schauen, was München so zu bieten hat bzw. zeigen es.
Und was könnte lauter München schreien als ein chinesisches Restaurant fast direkt an der Theresienwiese und zwar während des Oktoberfestes?

Das Malatang (ein wilder Wortmix aus den chinesischen Schriftzeichen für "Taubheitsgefühl erzeugen" und "scharf") in der Pocchistraße stellt uns direkt vor zwei Herausforderungen, die wir aber fachmännisch mit schüchtern rumstehen und herumgucken gelöst bekommen. Erstes Problem, der Platz. Ist schon knackevoll. Wir kommen uns vor wie kleine Eindringlinge in diese besondere Welt. Wir sind fast die einzigen ohne Tracht und wir sind fast die einzigen klassischen Weißwürschte.
Als wir von einer kleinen älteren äußerst freundlichen Dame, die nebenbei noch drei Suppen trägt, zu unserem Platz geführt werden, kommen wir bei einer offenen Kühltheke vorbei, voller teils absurder Zutaten.
Angekommen, befindet sich meine Frau gefühlsmäßig auch aufgrund der vorherrschenden Hektik im Laden, eher im zweiten Teil einer klassischen Spannungsmaus. Nervös von links nach rechts blickend fragt sie sich, wie das denn jetzt funktioniere. Langsam verstehen wir. Es dauert nicht mehr lange bis wir verstehen. Aber es zieht sich doch noch etwas. Die Nervosität steigt bis wir den hinteren Rücken der Maus erreichen, im übrigen eine medizinische Problemzone der westlichen Hausmaus.
Chinese free choice one man hot pot.
Soweit selbsterklärend. Man nehme Nudeln, Tofu, Pak Choy, Schweinemagen, Rindersehne, Kartoffeln, Fischbällchen, Shitake Pilze oder Rippen, wiege sie ein und entschiede sich für eine Brühe.


Ich gehe erstmal klassisch mit Malatang Scharfe Brühe. Sonja mit Shacha-Brühe mit Bindestrich.
Nach dem Bestellerfolg haben wir eine sehr steile Lernkurve und auch unser Mut wird größer. Wir entdecken eine Saucenecke. "Nein, nein, ist extra, nicht für Sie". Hmm dann wohl nicht. Mal sehen was da kommt.
Kurzes Wort zum Interior des Lokals. Es ist einfach, eng und in sehr gesetztem Schwarz gehalten. Das viele blanke und natürliche Holz erweckt einen industriellen aber auch naturnahen Eindruck. Die Verblendung an den Wänden scheint zu fehlen, mit ihnen würde man aber auch kein Licht haben. Diese schwere Entscheidung hat die Innendesignperson mutig beantwortet.
Was wir bestellt haben sieht dann so aus.


Sonjas Fazit zu ihrer vor Shitake strotzendem Brühe: "lecker, mhhhm soo lecker, guck mal, wie lecker."
Der versprochene Kick im Mund soll durch Shitake und eine Zutat die ich leider vergessen habe, weil der Besuch im Moment des Schreibens schon über zwei Monate her ist, ausgelöst werden. Die Brühe bringt eine nicht zu überwältigende Säurenote mit, die mit dem starken Pilzaroma über alle Maßen harmoniert. Sonja ist begeistert.
Meine Malatang Brühe ist erstmal sehr deftig. Den oberen Rand bedeckt eine dünne Schicht Öl, welche ich garnicht erst gepustet bekomme. Das auch scharfe Gericht wird einfach nicht kühler. Aufgrund der Gier nach hungerstillender und im Gaumen explodierender chinesischer Leibessuppe habe ich eine klassischen Piccolini-Moment und verbrenne mir direkt zu Beginn die gesamte Mundhöhle. Zumindest verschließe ich damit aber fachmännisch die Wunde, die ich mir beim Frühstück in die Backe gebissen habe.
Geschmacklich, und alle warten bestimmt schon, wann ich das magische Wort nenne, überzeugt es mit unerhörten Mengen an Umami. Es fehlt aber ein bisschen an Umpf und Besonderheit. Nichtsdestotrotz gibt es einem genau was man erwartet. Ein wohliges von leichtem Stirnschweiß begleitetes Glücksgefühl.
An der persönlichen Auswahl an Einlagen kann man noch schrauben aber trotz allem sag ich "hin da". Authentisch, anders und wohltuend.
Leicht benommen verlassen wir das Restaurant, merken dass wir vieles um uns herum ausgeblendet haben, bis uns eine Gruppe Jungs zurück auf die Münchner Straße holt. "Bruder, da kommen Leute her, da ist Oktoberfest. Bruder halt dein Schnauze".
















Kommentare